Immer wieder liest man in Zeitschriften und Gazetten über eine Gruppe Menschen, die sich selbst als „pornosüchtig“ bezeichnen oder von der Gesellschaft als solche bezeichnet werden.
Lassen wir mal die Tatsache außer Acht, dass es in der Tat so etwas wie Sexsüchtigkeit gibt (und schon immer gab), so stellt sich doch die Frage, wo man bei einem, von der Natur gegebenem Verlangen, die Grenze zwischen Normalität und „Krankheit“ zieht.
Wer legt eigentlich fest, wie viel Verlangen nach Sex und Pornografie ein Mensch haben darf und wer bestimmt, in welcher Form sexuelle Stimulation stattfinden sollte?
Wenn ein Mann im Alter noch 2-3 Mal pro Woche Sex hat, so wird das von der Gesellschaft als großzügiges Geschenk der Natur betrachtet, hat ein junger Mann, in der Blüte seiner Jahre dagegen täglich Sex, so gilt er vielfach als triebgesteuert und sexbesessen.
Irgendwas läuft doch hier schief?
Einer wissenschaftliche Studie zu Folge, denkt der Durchschnittsmann täglich 18 Mal an Sex – Frauen dagegen „nur“ 10 Mal, was wohl auch dran liegen mag, dass die Werbung dem Mann sehr gerne auf seine Achillesferse zielt und ihn mit Bildern umwirbt, die automatisch seinen Jagdtrieb in Aktion bringen.
Dem Mann wird also andauernd der Duft von frischem Sonntagsbraten in die Nase geschoben, nur essen soll er nicht?!?!
Unsere holden Weiblichkeiten, die hier besonders streng mit der Pornografie umgehen, tragen zudem ihren Teil dazu bei. Warum schminken sich Frauen wenn sie aus dem Haus gehen? Warum kaufen sie sexy Kleidung?
Warum tragen sie betörende Parfums?
Jaja, wir Männer haben es ja schon so oft gesagt bekommen – sie tun das NUR FÜR SICH SELBST. Was für ein Unsinn.
Stellen wir uns mal vor, es gäbe keine Pornografie und nur den einen Weg zur sexuellen Erleichterung -
den „natürlichen Beischlaf mit der Frau“ – dann hätten wir doch etwas das viel schlimmer wäre als der 3. Weltkrieg.
Vergewaltigung und Beseitigung von Nebenbuhlern wäre an der Tagesordnung. Jeder würde seine „Jagdbeute“ tunlichst verstecken (oder verschleiern?), Frauen würden zum Primärziel der Fortpflanzung und Sexualdelikte stünden gar nicht im Strafgesetzbuch.
Ich glaube es ist eher an der Zeit, dass wir Menschen akzeptieren, dass der naturgegebene Prozess der Fortpflanzung eng mit unserem Sexualverhalten verbunden ist. Dass wir lernen uns nicht für unsere Sexualität zu schämen, sondern sie als natürlichen Teil unseres Seins betrachten und dass Sexualität, genauso wie Hunger, Schlafbedürfnis, Leistungsfähigkeit, Humor, Intelligenz und Körpergröße nicht bei jedem Menschen der selben Norm entsprechen.
Schauen wir uns doch einfach die Gesellschaften an, in denen Prüderie und sexueller Dogmatismus an der Tagesordnung sind – wenn das die funktionierenden Gesellschaften sein sollen, dann wären wir besser im Mittelalter geblieben.
